Deine mobilen Apps zeichnen Dein Verhalten auf

apps tracking
Foto von Adam Fagen. (CC BY-NC-SA 2.0)

Egal ob Spiele, Nachrichten- oder Fitness-Apps, solange auf Deinem Handy irgendeine Art von Apps installiert ist, schickst Du wahrscheinlich unwissentlich irgendwelche Daten über Deine Identität, Deine Vorlieben oder Deinen Aufenthaltsort an Google, Facebook und andere Unternehmen. Das allein sollte Dich zwar nicht mehr überraschen, neue Forschungsergebnisse dokumentieren jedoch das schiere Ausmaß dieses Problems.

Die University of Oxford führte 2018 eine Untersuchung von fast einer Million kostenloser Android-Apps durch. Dabei stellten die Forscher fest, dass in den meisten mobilen Apps Hilfsprogramme von Unternehmen wie Alphabet, Facebook, Twitter, Verizon, Microsoft und Amazon eingebaut sind, die Nutzerdaten aufzeichnen und weiterleiten. App-Entwickler bauen diese Programme aus unterschiedlichen Gründen ein – zum Beispiel, damit sie die Verwendung der App mitverfolgen oder Werbung schalten können.

Die Forscher stellen zwar keine Vermutungen darüber an, welche Daten mit Unternehmen geteilt werden, warnen aber dennoch, dass letztere nicht selten Zugriff auf Daten bekommen, die keinen direkten Bezug zur verwendeten App haben. Je nachdem, welche Berechtigungen Du ihnen erteilst, dürfen sie sogar Deine Kontaktliste oder Standorthistorie einsehen.

Laut den Forschern hat der Mangel an Transparenz darüber, was von wem aufgezeichnet wird, potenzielle Datenschutzrisiken für die Nutzer zur Folge. Daten, die sich aus mehreren Apps zusammensetzen, können mit weiteren Online-Chroniken und aufgezeichneten Verhaltensmustern zur Erstellung äußerst genauer, individueller Profile genutzt werden. Die Apps auf dem Handy einer Person können Dir Hinweise auf ihre Interessen, ihre sexuelle Orientierung, ihren Gesundheitszustand und die Identität ihrer Kinder geben.

Google wehrte sich gegen die negativen Schlussfolgerungen der Studie. In einem Interview mit der Financial Times im Oktober kritisierte das Unternehmen, dass die Forscher „gewöhnlichen App-Funktionen“, wie zum Beispiel Absturzberichten, falsche Eigenschaften angedichtet hätten. Der Informatiker und Studienleiter Reuben Binns sagt: „Dass die Drittunternehmen, die wir in unserer Studie erwähnen, das Verhalten der Nutzer über mehrere Apps hinweg aufzeichnen können, wurde von niemandem abgestritten. Das gilt auch für Daten, die für Analysezwecke und Absturzberichte eingesetzt werden – oder für Behavioural Targeting, das in 60 Prozent aller Apps angewandt wird, in denen Googles Tracking-Programm DoubleClick eingebaut ist.“

Im Internet können Tracker Informationen über Dein Such-, Klick- und Tippverhalten protokollieren. Es gibt jedoch eine Handvoll Browser-Tools wie Privacy Badger, Ghostery oder Lightbeam, die diese für Dich sichtbar machen. Außerdem kannst Du Tracking-Programmen von Drittunternehmen oder Verhaltens-aufzeichnenden Cookies den Zugriff verwehren (siehe Brave oder Firefox, Chrome und Safari) – allerdings bedeutet das normalerweise auch, dass Du Werbung blockieren musst, weil sie ebenfalls zur Aufzeichnung Deines Verhaltens fähig ist.

Nutzer mobiler Geräte können Werbe-Identifikatoren, die sie über mehrere Apps verfolgen, ähnlich wie Cookies im Internet abschalten oder neu starten. Da viele Nutzer diese Art von Tracking aber gar nicht kennen, haben sie oft auch keine Ahnung, dass sie die Kontrolle darüber haben.

Was Google angeht: Das Unternehmen bestimmt nicht nur, welche Apps im Google Play Store für das Android-Betriebssystem verfügbar sind, sondern profitiert auch noch von den Daten, die diese Apps erzeugen. Die Studie der Oxford University stellte fest, dass am Ende Alphabet der eigentliche Eigentümer mehrerer Tochterunternehmen ist, die (wie unten angezeigt) in mehr als 88 Prozent aller untersuchten Apps Tracker eingebaut hatten.

Eine neue Studie über Smartphones, die von über 200 unterschiedlichen Anbietern verkauft werden, warnt vor dem zusätzlichen Risiko, dass einige von den durch Hersteller vorinstallierten Apps zu tief in unsere Privatsphäre eindringen, wenn sie unsere Daten sammeln. Es heißt dort: „Die Nutzer wissen nichts über die Beziehungen zwischen den einzelnen Unternehmen, die an der Zusammensetzung der vorinstallierten Programme auf ihren Handys beteiligt sind, oder darüber, wie diese Daten untereinander austauschen.“ Des Weiteren ruft die Studie dazu auf, dass die Datenerfassung transparenter gestaltet und den Nutzern diesbezüglich ein tatsächliches Mitspracherecht gegeben werden soll.

Es gibt durchaus Möglichkeiten, umfangreichere Datenschutzmaßnahmen von Anfang an in Smartphones einzubauen – sie werden nur leider nicht genutzt. Da das derzeitige App-Ökosystem hinter den Kulissen auf maximale Datenerfassung ausgelegt ist, sollte uns das nicht überraschen. Jetzt wo sich immer mehr Leute mit den Datenschutzrisiken im Internet auskennen, dürfen wir auch die Privatsphäre unserer Smartphones, die inzwischen ein so wichtiger Bestandteil unseres Lebens geworden sind, nicht außer Acht lassen. Mehr Wissen allein würde uns schon einen großen Schritt weiterbringen.

 

Welche Unternehmen erhalten von 959.000 mobilen Apps Daten?

Mithilfe von Tracking-Funktionen sammeln 88 Prozent dieser Apps Daten zu verschiedenen Zwecken – Werbung, Datenverkehrsanalysen, etc. – und leiten diese dann an diverse Tochtergesellschaften des Google-Mutterkonzerns Alphabet weiter.

Third Party Tracking in the Mobile Ecosystem, von Reuben Binns, Ulrik Lyngs, Max Van Kleek, Jun Zhao, Timothy Libert, Nigel Shadbolt. Veröffentlicht in: Proceedings of the 10th ACM Conference on Web Science (2018)

Wie schützt Du Deine Privatsphäre auf Deinem Smartphone?

Sag uns als Erstes Deine Meinung! Es gibt noch keine Kommentare.

Siehe Mozillas Richtlinien für das Mitwirken in der Community: [English | Español | Deutsch | Français]. Kommentare werden auf dieser Seite moderiert. Wir lehnen Kommentare ab, die andere verletzen oder nichts mit dem Thema zu tun haben.