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Zugang zum Internet zu haben, reicht allein noch nicht aus. Wir alle müssen in der Lage sein, in der digitalen Welt zu lesen, zu schreiben und uns einzubringen.

2018 hat die Welt einen wichtigen Meilenstein erreicht: Mehr als 50 Prozent der Weltbevölkerung haben nun Zugang zum Internet. Dementsprechend ist digitale Bildung wichtiger denn je.

Wir treffen täglich Hunderte von Entscheidungen. Für viele von uns ist es zur Routine geworden, unseren Kaffee oder unsere Busfahrkarten mit dem Handy zu zahlen oder einen Sprachassistenten darum zu bitten, unseren Lieblingssong abzuspielen. Für die Meisten von uns stellen die Technologien, die wir Tag für Tag nutzen, eine Art Black Box dar: Wir verstehen die Auswirkungen der Entscheidungen, die wir oder andere für uns treffen, nicht vollständig.

Grundlegende digitale Fertigkeiten sind wichtig, bereiten uns jedoch nur bedingt auf die wichtigen Fragen und großen Herausforderungen vor, die mit Vorurteilen, Mobbing und der Machtkonzentration in unserer vernetzten Welt einhergehen. Im Persönlichen wie im Politischen verändert sich die Technologie in unserem Leben zusehends. Unser Verständnis der digitalen Welt muss mit diesen Veränderungen unbedingt Schritt halten.

Eltern verbreiten die Bilder ihrer Babys achtlos in den sozialen Medien. Sobald die Kinder jedoch größer werden, fühlen sich einige von ihnen sicherlich in ihrer Privatsphäre verletzt, wenn sie vertrauliche Informationen über sich im Netz entdecken. Selbst kleine Entscheidungen haben dauerhafte Folgen. Um informierte Entscheidungen treffen zu können, brauchen wir unbedingt ein hohes Maß an digitaler Bildung.

Das Internet macht es uns leicht, mit Freunden in Kontakt zu bleiben und ähnlich gesinnte Menschen kennenzulernen. Aber wie wirkt sich die Zeit, die wir mit Klicken und Scrollen verbringen, auf unser Wohlbefinden aus? Wenn wir uns einen Überblick darüber verschaffen, was uns die Wissenschaft verrät (und was nicht), können wir auf gesündere Weise mit unseren technischen Geräten umgehen.

Wir müssen unbedingt verstehen, welche Auswirkungen das Internet auf unsere Gesellschaft hat – und wir müssen, wenn nötig, auf Veränderungen pochen. In den meisten Ländern unterstützt und behindert das Internet demokratische Prozesse gleichermaßen: Auf der einen Seite kann man sich vor einer Wahl genauer über die jeweiligen Kandidaten informieren, öffentliche Daten sind transparenter und es gibt mehr Wege, Graswurzelbewegungen zu organisieren. Aber auch Wahlmanipulation und die Verbreitung gefährlicher Fehlinformationen sind durch das Internet einfacher geworden.

Letztes Jahr konnten wir uns ein genaueres Bild davon machen, wie Randgruppen, einzelne Akteure, Regierungen und politische Parteien digitale Plattformen zur Einflussnahme auf die Menschen missbrauchen. Wenn Lösungsvorschläge von Regierungen kommen, stehen neue Gefahren im Raum. „Fake-News-Gesetze“ in verschiedenen Teilen der Welt – das jüngste Beispiel ist Singapur – stellen eine echte Bedrohung für die Meinungsfreiheit dar.

Mit einem tieferen und differenzierteren Verständnis der digitalen Welt können wir globalen Communitys beitreten, um Menschenrechtsaktivisten in ihrem Kampf für Gerechtigkeit zu unterstützen. Wir können bessere Schutzräume gestalten, in denen junge Menschen sich mit ihrer Sexualität auseinandersetzen können. Außerdem können wir die Machtverhältnisse der Online-Welt – von der Werbeindustrie bis hin zum Ausmaß der Massenüberwachung – besser nachvollziehen.

Wir können uns andere Welten ausmalen. Wir können Veränderungen einfordern.

Es ist heute dringender denn je, in digitale Bildung für alle zu investieren. Zum Beispiel können wir Erzieher und Aktivisten unterstützen und von vielfältigen Communitys lernen. Es ist aber auch wichtig, Produkte bewusst so zu gestalten, dass sie leicht zu verstehen, zu verändern oder zu reparieren sind.

Je mehr Menschen die Entwicklung der Technologien, der Normen und der Geschäftsmodelle der Online-Welt verstehen, desto eher setzen wir das vollständige Potenzial eines gesunden Internets frei.

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