Ein Statusbericht zur Internetgesundheit für New York

In einem globalen Bericht ist es schwer, bestimmte Themen oder Regionen in gebührender Ausführlichkeit zu behandeln. Wir werfen immer nur einen kurzen Blick auf Länder und Kontexte, die es selbst verdient hätten, Gegenstand ihres eigenen ausführlichen Berichts zu sein. Umso mehr freuen wir uns, verkünden zu dürfen, dass der erste Statusbericht zur Internetgesundheit für die Stadt New York nun online ist.

Wir haben mit zahlreichen Menschen darüber gesprochen, wie man den Statusbericht zur Internetgesundheit an lokale Umstände anpassen könnte, bis schließlich Meghan McDermott diese Frage im Rahmen ihres Fellowship-Jahres bei Mozilla in Angriff nahm. Der New Yorker Bericht beinhaltet Interviews mit Einwohnern, die das Internet auf unterschiedliche Weise gesünder machen. Er führt zudem eine lokale Analyse auf Grundlage der fünf Parameter für Internetgesundheit des globalen Berichtes durch.

Meghan setzt sich schon seit Langem für Bildung, digitale Rechte und zivilgesellschaftliche Technologien in New York ein. Der Bericht für die Stadt ist das Ergebnis einer erfolgreichen Zusammenarbeit mit dem Technikvorstand des New Yorker Bürgermeisteramts, der das Thema „Internetgesundheit“ 2017 zu einem Grundpfeiler seiner Tätigkeit ernannte.

Der Vorstand arbeitete an mehreren Projekten mit Mozilla Fellows zusammen. Dazu zählen zum Beispiel ein Training in digitaler Sicherheit für Mitarbeiter öffentlicher Bibliotheken und Stronger NYC Communities, ein Leitfaden für digitale Sicherheit im Zusammenhang mit Demonstrationen für Migrantenrechte. Darüber hinaus unterstützte Meghan ein Team aus New York, das gemeinsam mit Beamten der Städte Amsterdam und Barcelona eine neue globale Koalition namens Cities for Digital Rights (dt.: Städte für digitale Rechte) gründete.

Fragen für Meghan McDermott

F: Aus welchem Grund wollten Sie für New York einen eigenen Statusbericht zur Internetgesundheit erstellen?

Ich wollte Internetgesundheit als konkreten Handlungsrahmen nutzen, um festzuhalten, welche Versuche die Stadt New York unternimmt, um das Leben im Internet sicherer, zugänglicher und offener zu machen. Mich hat die systemische Arbeit leidenschaftlicher politischer und zivilgesellschaftlicher Führungspersönlichkeiten inspiriert, die ihre Stadt mit gerechter Politik, kreativen Digitalprogrammen und gezielter Gesetzgebung verbessern wollen.

New York ist ein unglaublich dynamischer und facettenreicher Ort. Hier nutzen Millionen Menschen Tag für Tag das Internet, nicht nur für Arbeit und Muße, sondern auch um auf Dienste zuzugreifen und Entscheidungen zu treffen. Für eine gesunde Stadt brauchen wir ein Internet, das uns gerecht behandelt, und diese Art von Bericht kann uns dabei helfen, einen grundlegenden Aktionsplan zu erstellen. Dieser kann zum Beispiel eine „Meshnet“-Infrastruktur fördern, die sich im Besitz der Community befindet. Weitere Möglichkeiten wären Open-Data-Gesetze, bessere Zugänglichkeitsstandards oder neue Trainingsprogramme in digitaler Sicherheit für Gruppen, die Immigranten unterstützen.

Jeder Themenbereich des internetgesundheitlichen Rahmens hat zwar einen Wert für sich. Fügt man die einzelnen Bereiche jedoch zusammen, entsteht eine integrierte, interdependente Strategie, mit deren Hilfe man Veränderungen bewirken kann. Daher hat es mich interessiert, wie eine Stadt den Bericht nutzen kann, um die Fortschritte hinsichtlich ihrer digitalen Initiativen und Ziele für digitale Gerechtigkeit festzuhalten, und so wiederum ihre Erfahrungen und Lehren an andere Städte weiterreichen kann.

F: Wie, hoffen Sie, werden andere Menschen Ihren Bericht nutzen?

Da der Statusbericht zur Internetgesundheit für die Stadt New York ein Pilotprojekt darstellt, das eine Brücke zwischen dem Rahmen der Internetgesundheit und konkreten Initiativen schlagen soll, basiert er zum Großteil auf Erzählungen. Diese beleuchten nicht nur die Herausforderungen, die mit der derzeitigen technologischen Dynamik einhergehen. Sondern auch, und das ist etwas Positives, wie die Menschen sich diesen Herausforderungen stellen. Es ist inspirierend. In Zukunft würde ich gerne zwei Dinge erleben: erstens, dass sich die Leser und Wissenschaftler Gedanken über die empirische Seite machen. Was fehlt noch, was muss genauer untersucht werden, was könnte unser Verständnis von „Internetgesundheit“ erweitern? Und zweitens würde es mich sehr freuen, wenn gerade die Städte, die sich bereits für digitale Rechte einsetzen, sich die im Bericht beschriebenen Projekte und politischen Anstrengungen genau anschauen und überlegen, was sie übernehmen und für sich anpassen können. Sie könnten diesen Bericht außerdem als Vorlage nutzen, um die Fortschritte in ihrer eigenen Stadt zu dokumentieren und mit dem Rest der Welt zu teilen.

F: Was würden Sie anderen Menschen raten, die einen entsprechenden Bericht für ihre eigene Stadt oder Gemeinde erstellen möchten?

Ich fand es sehr wichtig, mit Beamten der Stadtverwaltung zusammenzuarbeiten, die dabei helfen können, Tendenzen klar zu benennen, für Vernetzung zu sorgen und Beispiele aus der Politik anzubringen. Ebenso wichtig war die Kooperation mit zivilgesellschaftlichen Partnern, die bei aufstrebenden Ideen und Initiativen im Bereich Internetgesundheit auf dem neuesten Stand sind. Diese beiden Elemente zu kombinieren, kann bei der Aufzeichnung des internetgesundheitlichen Ökosystems einer Stadt helfen.

Davon abgesehen würde ich die Arbeit weniger als wissenschaftliche Studie angehen, sondern eher als ein Experiment. Es ist eine Untersuchung, die darauf beruht, dass sich Menschen, Communitys und Organisationen vor Ort um bessere Umstände bemühen – insbesondere, wenn diese Umstände von strukturellen Ungleichheiten herrühren. Indem wir uns darüber austauschen, was auf Stadtebene funktioniert, können wir die abstrakten Elemente der Technologie sichtbarer machen. Wir finden uns zudem besser in dem verworrenen Netz aus sozialen, kulturellen, wirtschaftlichen und technischen Komponenten zurecht. Internetsperren, Überwachung, Belästigung, Fehlinformationen, Redlining – es ist überwältigend, welch verheerenden Schaden das Internet anrichten kann, wenn es in die falschen Hände gerät. Deshalb müssen wir Wege finden, wie wir positive Impulse für Veränderungen setzen, Potenzial erkennen und alle Menschen darin einbinden können. Ein Bericht, wie dieser, ist ein Schritt in eben diese Richtung.

Hier kannst Du den Statusbericht zur Internetgesundheit für New York City herunterladen. Er beinhaltet örtliche Analysen auf der Grundlage fünf internetgesundheitlicher Parameter. Außerdem werden zehn Personen interviewt, die kreative Wege finden, um das Internet auf Stadtebene für alle gesünder zu machen.

Wenn Du selbst eine Idee hast, wie man den Statusbericht zur Internetgesundheit auf Deine Region, Dein Land, Deine Stadt oder Dein Interessengebiet übertragen kann, dann setze Dich gerne mit uns in Verbindung: internethealth@mozillafoundation.org.

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