So werden wir die Internetgesundheit messen

Das Internet ist ein wundervolles, verrücktes, vielfältiges Ökosystem,  das sich stetig verändert. Jeden Tag interagieren hier viele verschiedene Stimmen, Perspektiven und Motivationen. Bei sovielen Berührungspunkten gibt es eine Million verschiedener Dinge, die wir messen könnten, um Fortschritte und Rückschläge auf dem Weg zu einem gesünderen Internet zu verfolgen, zum Beispiel technische Infrastruktur, Datenschutz, Online-Belästigung, Falschinformation, Aktivismus und Bildung.

Aber für Mozillas Statusbericht zur Internetgesundheit können wir nur eine Handvoll Themen auswählen.

Basierend auf Eurem Feedback aus dem Online-Diskussionsprozess haben wir alle Vorschläge auf etwa dreißig Bereiche eingegrenzt, die einen umfassenden Überblick über unsere fünf zentralen Themenbereiche geben. Der aktuelle Plan sieht vor,  dass wir die Entwicklung dieser  Themen auf jährlicher Basis betrachten werden (zusätzlich zu jeweils aktuellen Schwerpunkten):

Offenheit

    • Geistiges Eigentum (Urheberrecht, Creative Commons-Lizenzen und anderes)
    • Zensur/Sperrungen/Überwachungen
    • Open Data-Initiativen
    • Freie und Open-Source Software
    • Internet-Regulierung

 

Digitale Inklusion

    • Anzahl der Menschen  mit Internetzugang weltweit
    • Bandbreite und Geschwindigkeit
    • Kosten für den Zugang zum Internet
    • Gleichstellung der Geschlechter und Zugangsmöglichkeiten zum Internet
    • Sprachenvielfalt
    • Sicherheit und Schutz vor Belästigung

 

Dezentralisierung

    • Gesetze zur Netzneutralität weltweit (Durchsetzungskraft und Anzahl)
    • Fortschritte und Rückschläge beim Aufbau von Internet-Infrastruktur
    • Neue dezentralisierte Technologien (z.B.  Blockchain, DAOs, Währungen, Dienstleistungen, Applikationen)
    • Widerstandsfähigkeit des Internets
    • Marktanteile der größten Internetfirmen
    • Nachhaltigkeit und Auswirkungen des Internets auf die Umwelt

 

Datenschutz und Sicherheit

    • Technische Maßnahmen und Lösungen
    • Datenschutzverletzungen und Sicherheitslücken
    • Öffentliche Meinung und Engagement
    • Soziale Verantwortung der Unternehmen
    • Datenschutzgesetze

 

Digitale Bildung

    • Internationale Bildungsstandards
    • Digitale Bildung bei neuen Internetnutzern
    • Digitale Bildung bezogen auf technologische Änderungen/ Erstellung von Inhalten statt Beschränkung auf Konsum
    • Digitale Bildung von Kindern und Jugendlichen
    • Hilfsangebote für aktives Lernen

 

Beim Zusammenstellen dieser Liste war uns wichtig, dass

  1. ein Indikator es wichtig genug ist, erhoben zu werden
  2. er tatsächlich messbar ist
  3. verlässliche Datenquellen existieren

 

Einige Dinge, die die Menschen am meisten beschäftigen – wie Falschinformationen und sogenannte Hate Speech – sind schwierig zu messen, vor allem über viele Länder und Netzplattformen hinweg. Trotzdem beeinflussen diese Indikatoren die Internetgesundheit. Deswegen müssen wir kreativ darüber nachdenken, welche  qualitativen Quellen es gibt und wie wir diese Indikatoren in unsere Kernthemenbereiche einflechten können.

Ein offener und kooperativer Ansatz

Der „Open-Source“-Teil dieser Initiative lädt eine breite Gemeinschaft dazu ein, Ideen zu entwickeln. Unser Dank gilt den mehr als 800 Menschen, die schon mit Vorschlägen für neue Indikatoren und Ideen für Datenquellen am Diskussionsprozess teilgenommen haben.

Darüber hinaus gehen wir erste Kooperationen mit anderen Organisationen ein, und arbeiten daran, wie wir gemeinsam existierende Forschungsergebnisse zu einer jährlich erscheinenden Übersicht zusammenstellen können, die eine spannende Geschichte über die Gesundheit des Internets erzählt. Wir sind in regem Austausch mit Menschen und Organisationen, die sich mit entsprechenden  Recherchen befassen, wie die Web Foundation, ICT Africa, AccessNow, Creative Commons, Ranking Digital Rights, M-Lab und viele andere, und wir hoffen, dass wir offen miteinander arbeiten, um die Daten im Statusbericht veröffentlichen können.

In den nächsten Wochen werden wir genau beurteilen, ob bereits genügend Daten vorhanden sind, um die oben aufgelisteten Themengebiete zu beleuchten, oder ob wir zusätzliche Recherchen benötigen.

Während wir unsere Fragestellungen und die Quellen, die wir nutzen wollen, verfeinern, möchten wir  Euch bitten, weiterhin Links zu relevanter Forschung mit uns zu teilen. Kontaktiert  uns  , wenn Ihr stärker in den Prozess involviert sein und unsere nächsten Schritten in diesem Blog verfolgen möchten.

 

3 responses to “So werden wir die Internetgesundheit messen

  1. Mit tiefstem Entsetzen bemerke ich gerade, daß auch Mozilla/Firefox seine User an Beschränkungsmechanismen heranführt. Allein der Positivismus suggerierende Begriff „Internetgesundheit“ zählt zu Orwell’schem Neusprech, was natürlich tief blicken läßt. Denn wenn sich sogar die Macher von Open-Source-Browsern „verpflichtet“ fühlen, Einschränkungsszenarien zu beschreiben und womöglich wirklich in Kraft treten zu lassen, dann kann dies kaum mit deren „freier“ Entscheidung zu tun haben.
    Wir wissen, daß das Internet alles enthält, wirklich alles. Vom Verwerflichsten und Ekeligsten bis zum Erbaulichsten, Sinnstiftendsten und Nützlichsten. Doch frei nach Voltaire ist in einem Rechtssystem nur die/der meinungs- und gedankenfrei, die/der alles in dieser Bandbreite von sich geben kann, auch wenn andere Menschen dies absolut unzumutbar finden. Immerhin hat mensch ja ebenda die Möglichkeit, darauf jeweils adäquat zu reagieren. Alles andere ist Willkür und letztlich Anmaßung von Autorität, die darüber entscheiden möchte, WAS gut oder schlecht sein darf. Und vor allem: WER entscheidet dies ???
    Seit ich politisch denken kann, werden sogar Kriege für die Werte der Aufklärung geführt (obwohl diese Kriege allein schon zumindest aus diesem Titel höchst hinterfragbar sind), in welcher Gedanken- und Meinungsfreiheit eines der höchsten Güter ist. Möglicherweise möchte „man“, daß eben genau das nichtmehr hinterfragt werden soll…
    Nochmal: WER setzt die Grenzen und wo liegen sie? Dies ist der Beginn einer Abwärtsspirale zum totalitären Staat, den wir im Begriff sind zu autorisieren, wenn es keine Gegenkraft zu Zensurtendenzen sämtlicher Art gibt.
    Bedenkt: Auch mit Hitler wurde demokratisch ein totalitäres Regime (freiwillig) gewählt…

    1. Wow und Chapeau!
      Gut gebrüllt und eine gute Zusammefassug zum heutigen (also bis gestrigen plus dem heutigen) Verständnis des Internets.

      Und dennoch beschleicht mich Unbehagen ob der unbegrenzten Libertinage.

      Ist es nicht so dass ein grosser Teil der Menschen hin zum Bequemen und Leichten tendieren.
      Also nutzen sie wenig das heere Bildungsangebot um sich selbst emporzuheben.
      Andererseits machen Kinder bereits in jungen Jahren Bekanntschaft mit Geistesabscheidungen solcher Art die sie in ihrem Status der Informationsverarbeitung nicht ordentlich zuweisen können.

      So gesehe ist die Initiative von Firefox zu begrüssen. Besonders im Hinblick einer Kontrolle der Bewegungen die sich ohnehin bereits abzeichnen und die zu einer Usurpation durch ungewollte Kräfte führen kann.

      1. Hallo,
        Ich stehe der gesamten Sache offen gegenüber, aus den folgenden Gründen;
        Herbert Faltynek erwähnte schon richtig das die Meinungsfreiheit unantastbar ist.
        Ich stimme mit diesem Ansatz überein aber das Internet ist in diesem Punkt unkontrolierbar geworden daher ist es nicht möglich es zu Zensieren. Jeder kann sich mit einer VPN und einer Einmal – Email bei Twitter anmelden daher ist es nur indirekt möglich die Meinung einer Person zielgerrichted einzuschränken. Ausserdem gibt es auch alternativen zu Twitter Facebook und Co. Auf 4Chan z.b. kann man seine Meinung frei äußern und diese Seite ist meiner Meinung auch exakt das benötigte Beispiel in dem folgendem Gedankenexperiment: Carsten (12) bekommt einen Internetzugang kommt auf eine Seite 4Chan z.b. weil er durch Zufall auf den Link stößt und kommt dort das erste mal mit Sexismus und Beleidigung in Kontakt und denkt das es so sein muss und das das o.g. gut ist. Ich lehne daher eine Autoritäre macht im Internet ab aber auch Anarchie ist nicht die wahre Form des Internets. Was ich damit sagen möchte: Die Nutzer des Internet müsse vielmehr ihre Communitys von Themen wie Hate-Speech fernhalten und ich sehe einfach keinen Sinn darin die Regierung mit einzubeziehen da bei 10 Millionen Kommentaren die Beleidigung enthalten nicht klar kommen kann was bei guten Willen und zu wenig Idee raus kommen kann ist das NetzDG.
        Ein Gesetz was die last bei Facebook und Co. absetzt und die Drücken dann einfach nurnoch „Löschen!“.

        MfG Larse343

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