Wer ist im Internet willkommen?

Jeder von uns sollte die gleichen Chancen haben, das Internet nutzen und zur Verbesserung unserer Leben und Gesellschaft verwenden zu können.

Die Stärke des offenen Internets besteht darin, Nutzern die Möglichkeit zu geben, das Web und dadurch auch die Gesellschaft selbst zu prägen. Genau wie die Gesellschaft, so gewinnt auch das Internet mit jeder neuen Stimme an Kraft.

Allerdings gibt es viele Barrieren, die die Welt daran hindern, sich in seiner vollen Vielfalt online zu entfalten. Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung hat noch keinen Zugang zum Internet. Doch selbst diejenigen mit Internetanschluss können durch Faktoren, wie hohe Kosten, unverlässliche Verbindungen oder Zensur eingeschränkt werden.

Auch die Sprache kann ein Hindernis darstellen, da Internetinhalte vorwiegend auf Englisch verfasst werden und das, obwohl es weniger englischsprachige als anderssprachige Menschen gibt.

Es gibt noch andere Wege auf denen die Technologie auf solche Weise manipuliert wird, dass sie die durch jahrelange Gleichgültigkeit gegenüber Viefalt enstandenen, unbewussten Vorurteile ihrer Urheber reflektiert. Ein Beispiel dafür sind Algorithmen, die es schaffen durch gezielte Werbung Rassenvorurteile aufrecht zu erhalten, oder auch die Tatsache, dass Sprachen wie Hindi, Urdu und Bangla schwer über herkömmliche Tastaturen einzugeben sind.

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Gesund

Mehr als drei Milliarden Menschen sind heutzutage online. Und die Tatsache, dass inzwischen in Schwellenländern mehr Menschen das Internet nutzen als in Industrienationen, ist ein großer Schritt in Richtung Vielfältigkeit im Web und sollte gefeiert werden. Mehr junge Menschen, Frauen und ländliche Regionen als jemals zuvor haben mittlerweile, dank Mobiltelefonen, auch einen Internetzugang.

Eines der neuen Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen ist es, bis 2020, in den am wenigsten entwickelten Ländern universalen Zugang zum Internet zu haben. Es müssen zwar noch unzählige Richtlinien geändert werden, um Milliarden von Menschen innerhalb der nächsten vier Jahre Zugang zum Internet zu verschaffen. Dennoch ist es bereits ein Fortschritt, dass das Internet inzwischen weitreichend als ausschlaggebender Faktor in der Entwicklung, sowie in bestimmten Fällen auch als Menschenrecht, angesehen wird.

Die kostenrfreie, durch Crowdsourcing finanzierte Online-Enzyklopädie Wikipedia bleibt auch weiterhin eine kostenfreie Wissensquelle mit 16 Milliarden Seitenaufrufen im Monat in 284 verschiedenen Sprachen.

Dynamische Gemeinschaften mit Technologie- und Innovationszentren in Entwicklungsländern sind dabei auszubauen, um Online-Dienste und -Unternehmen zu entwickeln, die die örtlichen Bedürfnisse befriedigen.

Ungesund

Trotz des weltweiten Fortschritts hinsichtlich der Verbreitung des Internets, sind Zugänge noch nicht gleichmäßig verteilt. Menschen, die in wohlhabenderen Ländern leben, haben bei Weitem mehr Internetzugänge und es ist umfassend dokumentiert, dass es in fast allen Teilen der Welt länger dauert bis Frauen Zugang zum Internet bekommen als Männer. Fehlende Kenntnisse und ein mangelhaftes Bewusstsein über den Wert des Internets sind zwei der Hauptgründe, warum Menschen nicht online sind.

Im schlimmsten Fall kann das Internet existierende Ungerechtigkeiten, Divisionen und diskriminierenden Praktiken verstärken und verschlimmern — und kann unter Umständen sogar neue Bedrohungen hervorrufen. Eine der wachsenden Plagen ist die Online-Belästigung. Vor allem Frauen werden auf verschiedenen Plattformen zum Opfer. Das gleiche gilt für Minderheiten überall. Dies führt unausweichlich zu Misstrauen und dem Rückzug aus dem Internet – was wiederum zum Rückgang der Vielfalt im Netz führt und der gesamten Gesundheit des Internets schadet.

Es gibt einige Regierungen, die schnell mal gerne Teile oder auch das gesamte Internet vorübergehend lahm legen und dies mit Gründen, wie der nationalen Sicherheit oder das Schummeln bei Schulprüfungen, rechtfertigen. Am Ende bedrohen sie damit jedoch die Menschenrechte und verursachen erhebliche wirtschaftliche Verluste. Laut AccessNow gab es 2016 in 18 Ländern 51 vorsätzliche Internet-Sperrungen.

Prognose

Der Weg zu einem Internet, das für alle zugänglich und einladend ist, ist mit einer Vielzahl von Hindernissen gepflastert. Diese werden nicht durch Warten bewältigt werden können, sondern bedürfen eines kontinuierlichen Handelns. Mit der wachsenden Anzahl von Menschen online ist es wichtig, dass Kooperationen, Regierungen und die Zivilgesellschaft zusammen daran arbeiten, bessere Breitband-Richtlinien und neue Geschäftsmodelle für gerechten Internetzugang zu entwickeln.

Außerdem benötigen wir neue Praktiken und Anreize für die Gestaltung und Sichtbarkeit von lokalen Inhalten, sowie bessere Möglichkeiten für Nutzer, eine größere Rolle in Online-Beiträgen zu spielen — und zwar in allen für die Einheimischen relevanten Sprachen, Formaten und Medien.

Um mit Trollen, Mobs und Hassern umzugehen, die den respektvollen, öffentlichen Diskurs stören, brauchen wir eine Kombination aus gemeinschaftlichen Maßnahmen und technischen Lösungen. Hass, Rassismus und religiöser Fanatismus sollten zumindest online im Keim erstickt werden können, und vielleicht sogar offline.

Das Ziel der digitalen Inklusion setzt voraus, dass miteinander verbunden zu sein, etwas positives ist. Wir alle tragen Verantwortung dafür, sicherzustellen, dass dies für alle Menschen wahr wird.

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Die Daten im Überblick

Internetanschluss

Anzahl der Menschen online

Die Hälfte der Welt ist immer noch offline.

3,3 Milliarden Menschen sind online. Das sind viele, dennoch brauchen wir noch mehr Richtlinien, die es arm und reich ermöglichen, günstiger und auf sinnvolle Weise ins Internet zu kommen. Für Menschen, die nur unterwegs Zugriff auf das Internet haben, ist das Schreiben von Aufsätzen, die Bewerbung auf Jobs, sowie andere den Wirtschaftswachstum ankurbelnde Aktivitäten problematisch.

Länder

Verbreitung des Internets

Es gibt weiterhin große, digitale Kluften, vor allem in weniger wohlhabenden Ländern.

In manchen Regionen steigen die Zugangsmöglichkeiten zum Internet rasend an. Arme, ländlich gelegene und marginalisierte Bevölkerungsgruppen hingegen profitieren am wenigsten davon. Sollten sich die Richtlinien nicht schnell verändern, werden bis 2020 nur 16% der Menschen in den am wenigsten entwickelten Ländern online sein.

Bezahlbarkeit

Anzahl der Menschen, die sich Internet leisten können

58% der Menschen weltweit können sich keinen Internetanschluss leisten.

Die meisten sind sich einig, dass ein Internetanschluss „bezahlbar“ ist, wenn das günstigste Breitbandangebot weniger als 5% des Pro-Kopf-BIP kostet. Angesichts des langsamen und unverlässlichen Internets in vielen Ländern, ist jedoch selbst das ein teurer Preis. Die kleinsten Prozentsätze von Frauen im Web, gibt es in Ländern, in denen das mobile Internet am teuersten ist.

57,8% der Weltbevölkerung können sich kein Breitband-Internet leisten

39,5% der Weltbevölkerung können sich kein Internet auf ihren Telefonen oder mobilen Geräten leisten

Sprachen

Sprache der Nutzer vs. Sprache der Inhalte

Chinesisch ist die zweithäufigste Sprache der Internetnutzer. Trotzdem sind nur 2% der Inhalte auf Chinesisch verfügbar.

Nur ein paar der Top 9 Sprachen für Web-Inhalte (Englisch, Russisch, Deutsch, Japanisch, Spanisch, Französisch, Portugiesisch, Italienisch, Chinesisch) stimmen mit den Zahlen ihrer Nutzer überein. Die meisten Sprachen im Internet sind unterrepräsentiert.

Anzahl der Internet-Nutzer (%)

Anteil der Inhalte (%)

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Englisch

Die Online-Dominanz des Englischen

52% aller Websites sind auf Englisch verfügbar, obwohl nur 25% der Weltbevölkerung Englisch verstehen.

Im Jahr 1998 waren ganze 75% aller Webseiten englischsprachig. Inzwischen nimmt der Anteil von englischen Inhalten wieder ab, wenn auch nur langsam. Wenn es den Menschen möglich ist, Inhalte in ihrer eigenen Sprache zu lesen, zu erleben und zu erstellen, dann wird das Internet wieder gesünder.

Zensur

Internetfreiheit

Die Zensur im Internet lebt.

Für das sechste Jahr in Folge befindet sich die Internetfreiheit im Rückgang, behauptet der Demokratie-Watchdog Freedom House (Haus der Freiheit) in den USA. Die Mehrheit der 65, von ihnen in 2016 erforschten Länder ordnen sie entweder als „nicht frei“ oder nur „teilweise frei“ ein.

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Erik
Gast
Erik

Super Bericht. Tolle Aufklärung über die aktuelle Situation. Englisch ist total überrepräsentiert und das muss sich ändern. Und unter dem Bericht findet sich dann die Möglichkeit, von dem Bericht ein PDF herunterzuladen, was aber nur auf Englisch funktioniert. Genau mein Humor (Y)

elias2
Editor
elias2

Das deutsche PDF wird noch folgen.