Ist es geschützt und sicher?

Die Sicherheit und der Schutz des Internets betrifft uns alle. Wir sollten in der Lage sein, zu verstehen und zu kontrollieren, was mit unseren Daten geschieht und wie diese genutzt werden.

Von den Telefonen in unseren Taschen bis hin zu den biometrischen Datenbanken, mit deren Hilfe uns die Regierungsbeamten identifizieren — die digitale Sicherheit unserer persönlichen Daten gewinnt immer mehr an Bedeutung. Nur weil man nicht den aggressiven Werbetreibern oder Spitzeln zum Opfer fallen will, heißt das noch lange nicht, dass man etwas zu verbergen hat.

Unsere Surfgewohnheiten werden mitverfolgt und aufgezeichnet, in Städten sind Online-Kameras allgegenwärtig und auch in unserem Zuhause benutzen wir immer mehr vernetzte Geräte. Durch diese Innovationen haben wir in unserem Alltag unzählige Annehmlichkeiten und „freie“ Dienstleistungen dazugewonnen. Die Daten, die dadurch entstehen, werden jedoch verarbeitet, archiviert und zu Marketing- und Überwachungszwecken erneut verwendet.

Wir sind heutzutage Gefahren ausgesetzt, die vor einem Jahrzehnt noch unvorstellbar waren. Hinzu kommt, dass viele Unternehmen und Regierungen die Daten kaufen und für Zwecke nutzen, die nicht immer dem Wohl der Menschen dienen. Leider sind diejenigen, denen wir unsere Daten anvertrauen, nicht immer vertrauenswürdig.

Besserer Schutz – und mehr Auswahlmöglichkeiten – wirken dem nachlassenden Vertrauen in Online-Dienste entgegen. Wir müssen einen sparsameren Einsatz von Daten fordern – also, dass von Anfang an weniger persönliche Daten aufgezeichnet und weitergegeben werden.

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Gesund

Das Bewusstsein der Öffentlichkeit hinsichtlich der Bedrohung unserer Privatsphäre in der digitalen Welt nimmt scheinbar zu. Diese Entwicklung wird uns dabei helfen, bessere Gesetzgebungen und Dienstleistungen durchzusetzen. In vielen Ländern engagieren sich die Gesetzgeber bereits auf positive Weise für Probleme im Online-Datenschutz, das gilt vor allem für Europa.

Hunderte Millionen Menschen nehmen nun ihre persönliche Erfahrung im Web selbst in die Hand, indem sie Ad-Blocker installieren. Schutz ist einer der drei meistgenannten Gründe für das Blockieren von Werbung, da sich hinter Werbung oftmals Malware verstecken kann. Dies stellt einerseits eine Herausforderung für Verleger dar, dient zur selben Zeit aber auch als Ansporn für die Industrie, bessere Online-Werbung zu gestalten.

Immer mehr Messenger-Apps, darunter auch WhatsApp, nutzen Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, was bedeutet, dass Unterhaltungen nicht länger bespitzelt werden können, auch nicht von Internetanbietern.

Die Verschlüsselung des Datenverkehrs ist ebenfalls am Zunehmen. Die Gründung von Let’s Encrypt, einer neuen Zertifizierungsstelle, spielt dabei auch eine Rolle, denn sie macht das Integrieren von HTTPS für alle Websites einfach und kostenfrei. Dadurch wird die Privatsphäre der Nutzer geschützt und gibt einem ein gewisses Maß an Sicherheit, dass man sich nicht auf einer gefälschten Seite befindet. Die Tatsache, dass Suchmaschinen und Internet-Browser nun Websites geschickt für die Nutzung von HTTPS belohnen, ist zusätzlich förderlich für dessen Integration.

Was die Meisten allerdings nicht wissen: Die Kommunikation über das Internet wird dank einer neuen Version des Verschlüsselungsprotokolls Transport Layer Security (TLS 1.3) bald noch privater, und möglicherweise auch noch schneller. Das Protokoll wird zum Schutz jeglicher Kommunikation zwischen Internet-Browsern und Servern verwendet.

Ungesund

2013 öffnete der amerikanische Whistleblower Edward Snowden unser aller Augen und zeigte uns das volle Ausmaß der von Regierungen sanktionierten, weltweiten, digitalen Massenüberwachung, die sogar in demokratischen Ländern stattfindet. Es folgte größeres öffentliches Interesse an Überwachungsgesetzen als jemals zuvor, konnte aber Gesetzentwürfe für noch mehr Überwachungsprivilegien in Großbritannien, Pakistan, Frankreich und zahlreichen anderen Ländern nicht verhindern.

Durch die Vernetzung von Autos, Kühlschränken, Spielzeugen und sonstiger Arten von Geräten mit dem Internet steigt das Risiko der Überwachung sowie böswilliger Hacking-Angriffe kontinuierlich. Im November 2016 wurden Teile des Internets durch ein Schadprogramm namens Mirai lahm gelegt: Die Malware führte eine sogenannte Distributed-Denial-of-Service-Attacke (DDOS) mittels 100.000 vernetzter Geräte aus, darunter auch Webcams und Babyfone. Die Besitzer der betroffenen Geräte werden womöglich niemals wissen (oder wissen wollen), was passiert ist, und auch weiterhin werden billige und unsichere Geräte hergestellt. Es sei denn, entsprechende Sicherheitsstandards, Gesetze und Maßnahmen bezüglich der Rechenschaftspflicht werden endlich durchgesetzt.

Durch Datendiebstahl können die Passwörter von Millionen Menschen bekannt werden, wenn die persönliche Informationen online gepostet oder an Höchstbietende verkauft werden. Leider können solche Vorfälle jahrelang unbemerkt bleiben und das selbst, wenn eine ganze Milliarde Konten davon betroffen sind. Das bedeutet, dass Sie möglicherweise niemals herausfinden werden, wann, wo oder durch wen der Identitätsdiebstahl stattgefunden hat, der Ihre Bonität auf einmal rapide sinken ließ.

Ransomware ist zu einer millionenschweren Verbrecherindustrie geworden: Sie übernimmt die Kontrolle über Computer und verlangt dann nach einer sofortigen Zahlung, um zu vermeiden, dass alle Daten auf dem Gerät gelöscht werden. Betroffen sind reguläre Nutzer, aber auch Krankenhäuser, Schulen sowie Unternehmen und eines Tages vielleicht auch wichtige Infrastruktur. Ein einziger falscher Klick in einer E-Mail, die vorgibt seriös zu sein, kann großen Schaden anrichten.

Prognose

Um gesund funktionieren zu können, ist das Internet auf den Schutz und das Vertrauen seiner Nutzer angewiesen. Die Frage ist, werden die für Software, Netzwerke und Geräte entwickelten Sicherheits- und Datenschutzmaßnahmen, den Bedrohungen ebenbürtig sein? Wir müssen Druck auf Regierungen und Software-Hersteller machen, um sicherzustellen, dass dem so ist.

Durch unsere täglichen Interaktionen erzeugen wir in einer Reihe von Unternehmens- und Regierungsdatenbanken lebenslang anhaltende, digitale Spuren. Bis es eine besser Art der Authentifizierung gibt, sollten wir zum persönlichen Schutz Sicherheitsvorkehrungen mit Hilfe von Benutzernamen und Passwörtern treffen.

Das wichtigste ist allerdings, dass wir kritischer darüber nachdenken, welche Informationen wir freiwillig im Web teilen. Wird das Profil auf der Online-Dating-Plattform, das Sie vor 6 Jahren erstellt haben, jemals gelöscht werden? Für wie lange verfolgt die Online-Werbung jeden Ihrer Schritte? Selbst wenn Sie gerne wissen würden, was da genau in den Datenschutzbedingungen der Online-Plattformen steht, sind diese meist in einer Art geschrieben, die der Durchschnittsmensch nicht versteht.

Technologie kann eine wahre Quelle der Freiheit und Ermächtigung sein, zur selben Zeit aber auch ein Werkzeug autoritärer Kontrolle. Sowohl für die Gegenwart als auch für die Zukunft müssen wir es schaffen, die Möglichkeiten für Beamte und Firmen einzuschränken, jeden unserer Schritte und Worte zu archivieren, wo auch immer wir uns auf der Welt befinden.

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Die Daten im Überblick

Öffentliche Meinung

Einstellung gegenüber Online-Privatsphäre

Menschen möchten kontrollieren, welche Informationen sie online teilen, können es aber nicht.

Digitale Systeme teilen unsere persönlichen Vorlieben über das Internet mit … ja, mit wem eigentlich? Amerikanische Forschungsergebnisse zeigen, Privatsphäre im Web ist den Menschen „sehr wichtig“, auch wenn sie nicht die nötigen Kenntnisse haben, um sich selbst zu schützen. Andernorts variieren die Ansichten. Doch solange wir die öffentliche Meinung zum Vorteil von Datenschutzrechten nutzen können, gibt es noch Hoffnung.

Datenschutz

Gesetze zum Schutz persönlicher Daten

Beinahe ein Drittel der Weltbevölkerung haben noch immer keine Datenschutzrechte.

Ungefähr die Hälfte aller Ländern haben keine flächendeckenden Gesetze, die Datenschutzrechte und Richtlinien zum fairen Umgang mit persönlichen Daten festlegen – dazu gehören auch ein Großteil Asiens, Afrikas und den USA. Die Europäische Union hat strenge Schutzgesetze und auch viele andere Länder sind dabei nationale Gesetze zu erlassen.

Verschlüsselung

Anstieg von HTTPS

Immer mehr Websites verschlüsseln nun ihren Datenverkehr mit HTTPS.

Das Vorhängeschloss in der Adressleiste Ihres Browsers bekommt immer mehr zu tun, denn beinahe 50% der Webseiten bieten ihren Nutzern nun sichere Verbindungen (im Vergleich zu rund 40% Anfang 2016). HTTPS wird nicht länger nur beim Online-Banking und -Shopping benutzt. Im Gegenteil, jegliches Surfen im Internet sollte verschlüsselt sein.

Datenschutzverletzungen

Erhöhte Verletztlichkeit online

Zwischen 2013 und 2016 waren hunderte Millionen Accounts von Übergriffen betroffen.

Der Diebstahl von Daten bleibt oftmals solange unbemerkt, bis Login-Daten, Passwörter und andere persönliche Daten online zum Verkauf stehen. Übergriffe werden immer größer und kommen häufiger vor. Haben wir es hier mit einer Sicherheitsepidemie zu tun? Dezember 2016 meldete Yahoo die größte Datenschutzverletzung der Geschichte: 1 Milliarde Accounts.

Vertrauliche Daten

Datenschutzverletzungen in verschiedenen Bereichen

In den vergangenen 3 Jahren schossen Übergriffe im gesundheitlichen und medizinischen Bereich in die Höhe.

Wenn man die Zahlen in den USA betrachtet, wird deutlich, dass die vermehrte Verwendung von Technologie in neuen Bereichen, ohne die notwendigen Sicherheitserfahrungen oder Budgets zu haben, gefährlich sein kann. Dank dem Internet gibt es großartige, verbesserte Verwaltungsmöglichkeiten im Gesundheitswesens. Allerdings auch enorme persönliche Risiken auf globaler Ebene. Wer wiegt hier die Vor- und Nachteile ab?

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