Warum wir den Statusbericht zur Internetgesundheit veröffentlichen

Gegen Ende dieses Monats wird Mozilla den zweiten umfassenden Statusbericht zur Internetgesundheit veröffentlichen. Er beschäftigt sich mit der Frage, in welchen Aspekten Technologie unser Leben und die Welt verbessert beziehungsweise verschlechtert. Was neue Online-Technologien angeht, geschieht oft beides gleichzeitig: Sie machen die Dinge sowohl besser als auch schlechter. Daher ist es essenziell, dass wir neue Entwicklungen in diesem Feld ständig im Auge behalten und uns fragen: Wie soll es weitergehen? Was nützt hier der Menschheit am meisten?

Nichts hebt dieses Spannungsfeld – und die Notwendigkeit, die Dinge von Anfang bis Ende zu durchdenken – deutlicher hervor als die rasante Evolution der künstlichen Intelligenz.

Jeder, der das Internet nutzt, interagiert bereits mit irgendeiner Form von KI, und in naher Zukunft wird sie nur noch weiter in unser Leben vordringen. In der Regel sind unsere Erfahrungen mit KI positiver Natur: Sie empfiehlt uns unsere Lieblingsmusik, dimmt abends die Lichter und zeigt uns den schnellsten, oder auch den schönsten Weg zu unserem Ziel.

Mit der Nutzung von KI sind allerdings auch große Risiken verbunden, die schwierig zu analysieren und zu verstehen sind. Ich denke viel über diese Dinge nach und doch fällt es mir immer noch schwer, sie zu begreifen. Natürlich versuchen das viele: Bill Gates zum Beispiel verglich künstliche Intelligenz vor Kurzem mit Kernenergie, zumindest was die mit ihr einhergehenden Vorteile und Gefahren angeht. Und auch wenn wir vielleicht nicht genau wissen, was wir von diesen Risiken halten sollen, wird immer deutlicher, welche Fragen wir aufwerfen sollten:

Wer erstellt eigentlich die Algorithmen?

Mit welchen Daten werden sie trainiert?

Und wer wird dadurch diskriminiert?

Werden wir zur Sucht nach bestimmten Produkten verleitet?

Tragen wir dazu bei, dass die enorme Zentralisierung des Internets immer schlimmer wird? (So viel vorweg: Ja!)

Der erste Spotlight-Artikel des diesjährigen Berichts trägt die Überschrift „Stellen wir höhere Anforderungen an KI“. Sein Ziel ist es, die oben genannten Fragen in den Raum zu stellen, die Debatte verständlicher zu machen und die Menschen dazu anzuregen, miteinander über ihre Vision für die Zukunft zu sprechen. Wir brauchen eine klare Vorstellung, welchen Zweck KI für Menschen und die Menschheit an sich erfüllen soll, aber auch, wie wir über die Gefahren reden und sie eindämmen können.

Aus diesem Grund ist der Statusbericht zur Internetgesundheit, den wir jedes Jahr im April herausgeben, so wichtig. Er hilft uns dabei, uns gemeinsam mit diesen Themen auseinanderzusetzen. Der Bericht ist eine Sammlung unterschiedlichster Geschichten, aber auch eine Studie, die sich auf persönlicher sowie globaler Ebene mit wesentlichen Fragen der Gegenwart beschäftigt. Ist es zum Beispiel eine gute Idee, einen DNA-Test zu machen? Oder: Welche Auswirkungen haben europäische Datenschutzgesetze auf das Internet als Ganzes?

Mit diesem Bericht wollen wir die Menschen dazu anregen, kritisch zu denken und ihren eigenen Umgang mit Technologie zu hinterfragen. Unser Ziel ist es, das öffentliche Bewusstsein für dieses Thema zu stärken. Dadurch, dass der Bericht in den Medien thematisiert wird, sollen Gespräche am Esstisch und in Vorstandsetagen gleichermaßen angeregt werden. Zudem wollen wir Aktivisten hilfreiche Informationen in die Hand geben, damit sie Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft besser beraten und davon überzeugen können, das Richtige zu tun.

Indem wir Menschen zum Gegenstand dieser Gleichung machen, können wir uns einen Eindruck von den nützlichsten, spannendsten und erbaulichsten Aspekten des Internets verschaffen. Gleichzeitig erkennen wir an, dass noch eine Menge getan werden muss, bis das Internet so aussieht, wie wir es haben wollen. Der „gesundheitliche“ Blickwinkel auf das Thema erlaubt es uns, Werkzeuge zu erstellen, mit deren Hilfe Individuen, Unternehmen und Regierungen das Internet bauen können, das wir haben wollen, anstatt das Internet hinzunehmen, das uns gegeben wurde.

Hiermit lade ich Dich dazu ein, den Bericht am 24. April zu lesen, zu kommentieren, herunterzuladen, weiterzuverbreiten, nachzubilden und Dich von ihm inspirieren zu lassen. Wir feiern jedoch nicht nur die bevorstehende Veröffentlichung des Reports, sondern auch die über 200 Menschen, die zu seiner Entstehung beigetragen haben. Dazu zählen Wissenschaftler, NGOs und Forschungszentren, die sich dafür einsetzen, dass wir geschützt und informiert sind. Hersteller und Technologen, die Schutzräume für uns schaffen. Und gewöhnliche Nutzer, die Probleme in ihren Online-Räumen erkennen und Lösungen anbieten.

Zu guter Letzt ist dieser Bericht auch von Dir und für Dich, den Leser, den Aktivisten, den Spender, den Partner, das Community-Mitglied gedacht. Ohne Dich gäbe es ihn gar nicht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.